Textversion

Geomorphologische Radtour 14.04.2012

Am vergangenen Samstag führte Prof. Härle wieder eine für alle Teilnahmer höchst interessante und kurzweilige Radtour - diesmal zur Unteren Argen.

Zwölf Abgehärtete versammelten sich am Samstagnachmittag, den 14.04. auf dem Postplatz zur diesjährigen Geotour des Altstadt- und Museumsvereins. Bei kaltem, windigem, aber trockenem Wetter was das Tal der Unteren Argen oberhalb Beutelsau mit der angrenzenden Hochfläche das Ziel.

In Beutelsau konnte man dem Fluss gleichsam bei der Arbeit zusehen. Der mehrere Meter senkrecht abfallende Prallhang zeigte Spuren eines ausgebrochenen Felsbrockens, während auf dem gegenüberliegenden Gleithang die Sortierung des abgelagerten Materials vom Feinsand bis zum Kies zu erkennen war. Interessant dabei auch, wie ein Teilnehmer bemerkte, die Zeitintervalle. Auf mehrere Mio Jahre kommt der anstehende Sandstein der Oberen Süßwassermolasse, etwa zehntausend Jahre liegen die Anfänge des Argentals zurück und die im Flussbett liegenden Gerölle und Geschiebe werden spätestens nach Jahrzehnten umgelagert. Beim flussaufwärts liegenden, danach aufgesuchten Prallhang von Rempen ist der vom Gletscher abgelagerte weiche Geschiebemergel in einem von unten und oben beeindruckenden Rutschhang aufgeschlossen. Im Lauf der Jahrhunderte hat er einen Großteil der an z.T. tiefen Gräben noch erkennbaren Burganlage in die Tiefe gerissen. Beim Blick hinunter ins etwa 500 m breite und bis über 50 m in die Umgebung eingetiefte Tal erhält man eine Vorstellung von der gewaltigen Menge abgetragenen Materials. Nicht alles davon gelangte in den Bodensee, einiges wurde schon unterwegs in Form von Terrassen deponiert. Die Lage des Weilers Oberau, des Praßberger Bauhofs und natürlich für die Radler, je nachdem, beschwerlichen bzw. genussvollen Wangener Terrassen zeugen davon.

Neben dem Fluss und seinen Prallhängen sind im Tal der Unteren Argen auch die jungen Kerbtälchen, die Tobel, interessant. Dank starkem Gefälle und gelegentlich großen Wassermengen „toben“ hier die Bäche und Bächlein und fräsen Kerb- oder V-Täler in die Hänge. Tiefe Tobel sicherten auch jeweils eine Seite der Burgen Praßberg und Rempen. Im Rempener Wald war auf kurze Entfernung das Einschneiden zu beobachten und der Tobel oberhalb Beutelsau zeigte auch die Ablagerung des ausgespülten Materials in Form eines Schwemmfächers. Alt-Epplings, Eglofstal, Ravensburg, Weingarten und Baienfurt liegen übrigens alle auf Schwemmfächern. Wesentlich kleiner sind die Kalktuff-Bildungen. Moose lassen einen Teil des am Talhang austretenden Wassers verdunsten und der in diesem enthaltene Kalk setzt sich in Form von „Nasen“ oder Terrässchen als lockerer Kalktuff ab. Ein Baustein, der früher auch in Wangen geschätzt war.

Zwischen und neben dem geomorphologisch Interessanten kam auch die Pflanzenwelt zu ihrem Recht. Besonderes, wie die von einem Teilnehmer entdeckte rosafarbene Schmarotzerpflanze, die Schuppenwurz, und die über das Argental herab gewanderte Alpen-Heckenkirsche sowie Alltägliches, etwa die den Laubwaldboden weiß überziehenden Buschwindröschen nebst den selteneren und auf die Auen beschränkten, gelben Windröschen. In der Nachbarschaft von Bingelkraut, Waldveilchen, Waldmeister, Einbeere und Haselwurz waren auch schon Türkenbundlilien und Vielblütige Weißwurz aufgeschossen. Unter immergrünen Nadelbäumen beschränken Lichtmangel und saurer Boden die Pflanzenwelt auf Moose, Heidelbeeren, Maiblümchen, Sauerklee und Bärlapp. Der noch blühende Seidelbast zeigte das Ende des Vorfrühlings an; die Blüh-Stafette aufgenommen haben nun Schlehen und Vogelkirschen. Vorwitzige Buchen entfalteten erste hellgrüne Blättchen.

Ohne den Parade-Blick mit der erklärenden Tafel am Wegrand bei Vordersaamen konnten die Kennzeichen der Drumlins durch entsprechende Modellierung erklärt werden: länglich-ovale, versetzt stehende, eiszugewandt steilere, eisabgewandt flachere, durch Niederungen getrennte Hügel.

Die hinaufgeschobenen bzw. -gestrampelten vielen Höhenmeter reichten für eine rauschende Abfahrt unter der Autobahn hindurch bis in die Argenaue. Wenn auch das verlegte Laufstück der Argen sich weithin natürlich entwickelt hat, bleibt doch die stark befahrene A 96 eine ständige Belastung für das Tal, seine Umgebung und die Bewohner. Mit Blick auf den Turm der Prassberg-Ruine und das Argen-Ufergehölz fand die traditionelle Geotour des AMV mit ihren Terrassen , Tobeln, Drumlins, Burgen , Buchen und Buschwindröschen ihren Abschluss.